
Gerade sitzen wir am bübla schwing- Dorffest in Unterschachingen. Wir sind tief
in ein Tal reingefahren….wir wollten weiterschwingen!Trixie wandert den Berg
hoch. Volksmusik schrammelt seit Stunden. Ganz ganz ernsthaft sind die Jungs und
Jungmänner und Organisatoren beim Wettbewerb. Gewinner werden gekürt, Listen
ausgegeben, und der Gabentempel ist klein, aber oho.
Alles sorgfältig beschriftet von den Sponsoren oder Schenkern, extra in Auftrag gegeben, Bänke mit Schild, Eingravuren, am beliebtesten erscheinen die Glocken. Um vier ist der erste Teil vorbei und rasante Aufräumarbeiten starten…und dann geht das Volksfest erst richig los- wir wandern zum Sonnenuntergang gen Herberge. GD
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Morgens Andermatt. In der Frohnleichnamsprozession ums Dorf gewandert. Voran die
Blasmusik. Heiligenstatuen. Fahnen. Sonntagsgewand. Der Pfarrer mit der
Monstranz. Fromme Gesichter. Weihrauchschwaden. Ich weiss, wie es sich anfühlt.
Die Dankbarkeit, dass der Arbeitsalltag unterbrochen wird von diesen ernsten,
wiederkehrenden Ritualen. Feierlich fühlt es sich an. Und wenn der Segen Gottes
gesprochen wird, kann man für einen Moment das Irdische vergessen und sich
hineinlegen in die Gewissheit, dass alles seine Richtigkeit hat.
Wir reisen ins Schächental. Buebä-Schwinge. Auf dem Abendprogramm steht
Ausgelassenheit, Pommes und Wurst. Es wird getrunken, geschnupft und Polka
getanzt. Ein Metzgerlehrling wird zum Fremdenführer und Vermittler zwischen den
Kulturen. Er kennt sich aus mit der Landwirtschaft und den Eigenheiten der
Einheimischen. Was denn der grosse Unterschied sei, zwischen Schächentalern und
den Städtern. Dass man in den Städten weniger stetig ist, sagt er, dass alles
schnelllebiger ist, man einfacher seine Beziehung und seine Arbeit wechselt,
weiterzieht. An einem Ort wie diesem ist man äusserlich sesshafter. Aber innen
macht man, wenn man aufmerksam ist für die Natur und die Menschen mit denen man
lebt, grosse Veränderungen durch. Man lebt langsamer. BF
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Ganz klar keine Schönheit der Berge, kein liebliches Alpenpanorama von sich
gestreckt, nein, schroff empor gewachsene Böslinge sind das da
Vertrucken den Menschen den Kopf, Bergrücken vorne und hinten, es schauen einem
nur Rücken an in Unterschächen, dafür so warme, angewärmte und freundliche
Gesichter, zutraulich – kein Klischee bestätigt.
Stille rufe in ein Nirgendwo, Loch im Kopf, es läuft aus, dort – aus – aus dem
Kopf hinaus wie am Felshang aus dem Felshang hinaus Wasserschaum.
Kaskädchen immer Kaskädchen, alles artig, artige Konversation, der zoologische
Effekt, arrogante Stadtnasen meinen ständig über alles Bescheid zu wissen
Wir sind ja hier in der Deutschschweiz es ist immer noch alles im Diminutivlein
bitte, immer artig kommunizieren, immer alles artig tun
Airolo - Göschenen retour und immer brav den Mittagsschlaf einhalten nie
vorpreschen & ja immer geregelt Laute von sich geben, das denken Städter,
sei die Landbevölkerung – und alles immer tun wie der Grossvater es schon
tat.
In vorgeserbelten Vokabeln sprechen, wir erfinden hier nichts neu, wir erfüllen
doch Vorgaben nach Massnahme und gesundem Menschenverstand, der immer wieder neu
abgeglichen werden kann zwischen den eigenen vier Felswänden , die Ambition ist
klar, Überleben, der Herrgott nah. So denken das die Städter über die
Landbevölkerung, ein Neutrum eigentlich.
Das Wetter ist der Witwer der Sonne und zu beklagen gäbe es viel, aber da am
Volksfest gibt es auch die Fairen & die Argwöhnischen, die Lauten & die
Offenen, die Müden & die Alkoholisierten wie überall immer & die
Gemeinschaftlichkeit, die Fremden immer brav sichtbar, kein Eiertanz vonnöten,
damit klar gemacht werden kann: Du bist hier fremd; der Sieger der Schwinget
keiner von Prätention, du gewinnst, sagen die Bewegungen der anderen, aber
gewonnen wird ja immer, öfter sogar verloren, aber bild dir nichts drauf ein,
Kinder, die taumeln & wohl geordnete Toiletten, selbst gezimmert.
Sprachdifferenz, da muss ich staunend die Öhrchen spitzen & abwarten, in der
Sprache quer gelegen. Ja, die Fenster sind frisch gereinigt, da kann ich ja nur
mit meinen Fettfingern drauf rumschmieren, Pommesspuren für alle. Dann wieder so
ein sattes Grün, dass mir die Augen beinahe den Dienst verweigern, deren
Schaltzentrale verwehrt mir so ein sattes Maigrün, so eine geballte Wucht an
Farbe. KB
